Ein Interview mit zweitausendnein

Versorgerin #76, dezember 07

"Vor zwei Jahren (als noch nullsex war) wurde zweitausendnein erfunden. Denn Kultur ist kein Preisfischen, wo nur das Gewicht und die Masse zählt."

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Seit wann und warum gib es zweitausendnein?

Vor zwei Jahren (als noch nullsex war) wurde zweitausendnein erfunden. Denn Kultur ist kein Preisfischen, wo nur das Gewicht und die Masse zählt. Es kommt auf die Köderführung, die Präsentation an. Es geht darum mit Stil etwas rauszuziehen und nicht Parasiten einzuschleppen.
Ich greife niemanden an, aber beim Fischen ist es halt so: Wenn Schweizerkäse zum Anfischen verwendet wird, fängt man nur Weissfisch (küchensprl. kleine, grätenreiche Fische, meist aus der Unterfamilie der "Leuciscinae" ). Und überhaupt: der Hu.Go. ist ein imitierter Schiffshalter (gr.: "Echeneidae", parasitärer Fisch der Ordnung "Barschartige" ("Perciformes") der sich z.B. an Booten festsaugt, anm.). Mit so was geht in der Donau gar nix.
Wir brauchen kein Salz in der Donau um Meer draus zu machen, die Touristen kommen nicht wegen dieser Palmen, die unsere Strassen zieren. Wenn wir Kulturhauptstadt sind, geht es um die Kultur, die wir da haben. Wenn die für schlecht gehalten wird, müssen wir eben unsere schlechte Seite zeigen. Aber sonst werden genau die, die bisher schon keinen Zugang zu unserer spezifischen Kultur hatten, durch den Import der grossen Einheitskultur wieder davon abgehalten.
Die Angst, dass althergebrachte Köder nichts fangen, ist völlig unbegründet. Im Gegenteil: die funktionieren auch im Ausland, da können sie jede/n Fischer/In fragen. Und in der gut besetzten Donau - mit einer Vielzahl von hübschen Fischen - brauchen wir keine Exotiker. Es reicht die Schonzeit zu beachten und dafür zu sorgen, dass nicht so viele Fische in die Turbinen gehen wie bei einem der sogenannten "Bio-Energie" Kraftwerke der OKA. Apropos OKA. Das O.K. ist mit einer Zierfischhandlung vergleichbar: Teuer, aber nicht sehr beeindruckend. Und Zierfische kann man nicht fangen, ausser mit dem Netz. Mir kommt 09 vor wie fischen in der Aquariumhandlung.

Was sagst Du zu der Konkurrenz von linznullnein?

Wenn ich "linznullnein" decodiere bedeutet es, dass alle vorbehaltlos dafür sind und null dagegen. Und das ist das Programm. Also "linznullnein heisst dafür und steht bei dem Schweizer vor der Tür !". Aber ich bezweife die Authentizität der ganzen Sache. Vielleicht hat es ja auch ein Schweizer dem anderen vor die Türe geschrieben. Eine reine Vorgabe für die Medien, um letzlich einen Anlass zu haben, was über 09 zu schreiben. Die "nullneiner" sind die allerersten die sich kaufen lassen.
zweitausendnein ist Dialekt, die Sprache, die aus unserer Kultur kommt, es heisst gar nichts anderes als dass wir das so aussprechen. Dass das zu Verwechslungen führt, ist eine andere Geschichte.
Darum sind wir alle zweitausendnein und niemand kann sich da ausnehmen. "linznullnein" hingegen ist schon wieder gegen etwas positoniert (obwohl in echt eigentlich für etwas). Die wollen bloß die dicke Kohle mit einer abgeschauten Idee. Denn das zeigt die Abänderung in "nullnein" ja, dass sie sich die Sache unter den Nagel reissen wollen, und sie nicht einfach gut finden und mitmachen. Mitmachen können alle, unter den Nagel reissen ist etwas anderes.

Was ist das Ziel von zweitausendnein?

zweitausendnein wird bereits 2009 zweitausendzehen fotografieren, die nicht nur von LinzerInnen stammen sondern aus aller Welt dahergelaufen kommen. Japanische und amerikanische und so...

Welche kulturellen Fagen bewegen dich zur Zeit?

Die Leute wissen sich ohne Computer nichts mehr anzufangen. Der Computer ist in unserem Gebrauch immer noch ein Werkzeug und nicht als Kultur anerkannt. Der Computer alleine reicht nicht. Anders die Linzertorte: sie ist bereits eine Kultur - also als solche anerkannt. Sie dient natürlich nach wie vor auch als Werkzeug: zur Bestechung beispielsweise. Als Handelsgut, Geschenk, usf. aber sie ist zugleich eben auch anerkannte Kultur. Die Torten werden über Touristen ins Ausland verkauft, die Linzer essen sowas eher nicht.
Ein Gruss an alle LeserInnnen: Ich wünsche euch ein aufregendes zweitausendgibacht und zweitausendnein.