…and I sing a nickle song

Versorgerin #80, Dezember 08

Andreas Wahl über "Der Zwerg ruft" von Kurt Palm.

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Artikel

Das Ende November vom Theater-Phönix gegebene Stück “Der Zwerg ruft” ist eine wirklich lustvolle Auseinandersetzung mit den Vorwehen des Kulturhauptstadtjahres in Linz. Sitzt man in der Inszenierung von Kurt Palm, so überkommt einen das Gefühl, als hätten sich hier ein paar Lausbuben ans Werk gemacht, um den Kulturhauptstadtmachern kräftig ans Bein zu pinkeln und vor die Tür zu scheißen. Die scheinbare Unvollkommenheit der Inszenierung, die billigen sexuellen Anspielungen und Wortwitzchen, die linkisch tapsenden SchauspielerInnen bergen allerdings die Kernaussage dieses Stückes: Linz 09 ist es nicht wert, dass man sich tiefschürfend und seriös damit auseinander setzt. Das „bochene Programm“ (Kurt Palm) und die billigen PR-Gags der Kulturhauptstadtmacher schreien geradezu nach billiger Verarsche. Wie auch sonst sollte man sich Dingen wie „Linz muss 2015 die interessanteste Stadt Österreichs werden“, „Pöstlingberg wird zum heiligen Berg“ oder „Linz wird Linz 09“ annähern? Wo, bitte, sollte hier ein ernsthafter, vielleicht sogar intellektueller Diskurs ansetzen? Ein auf den ersten Blick „dahergenudeltes“ Theaterstück ist hier wohl die einzig adäquate Form, um auf solche Blödheiten zu reagieren. Die Tricks der Kulturhauptstadtmacher, mit denen sie in letzter Zeit versuchen, eine positive „Linz09-Stimmung“ zu generieren, sind einfach so billig, dass die Antworten darauf auch nur billig ausfallen können. Oder, wie Melanie schon in den 70ern sang: „They put in a nickel and I sing a nickelsong“.
Palms Stück ist aber in einer sehr viel längeren Tradition zu sehen. Es ist die Tradition der Kasperliaden, des Karnevals und der bäuerlichen Schmähgesänge auf den Klerus. Immer wieder wurde die Inszenierung der Macht durch einfache, oft derbe Mittel bemerkenswert effizient unterlaufen. Alles sich Erhaben-wähnende, alles Pathetische fand bald seine Lächerlichmachung und wurde erst so für das einfache Volk erträglich. Palm schöpft in seinem Stück und seiner Inszenierung (auch) aus diesem Fundus der Widerständigkeit gegen die Obrigkeiten, wenn er mit „Der Zwerg ruft“ ein wunderbar räudiges Stück auf die Bühne des Theater Phönix stellt.
Als Besucher ging ich mit dem wirklich niederträchtigen Gefühl der Schadenfreude aus diesem Stück. Schadenfreude darüber, dass der Konflikt zwischen Linz 09 und dem Theater Phönix damit endet, dass man im Phönix lacht und Heller und Konsorten an dem giftigen Stachel, den sie sich bei dieser Auseinandersetzung eingetreten haben, noch lange laborieren müssen.

„Der Zwerg ruft“ mit Maxi Blaha, Helmut Fröhlich, Matthias Hack, Theo Helm, Karl Ferdinand Kratzl, Georg Lindorfer und Ferry Öllinger wird ab 30. Dezember wieder im Theater Phönix gespielt.