Wiltrud Hackl verkleidet sich als Martin Heller und schreibt einen Text.

In dieser Ausgabe wurde Wiltrud Hackl eingeladen, die Kolumne "Odyssee 2009" zu schreiben.
erschienen in KUPFzeitung 124/08

Format: 
Kolumne

Bin ich froh. Ich freu mich ja so, wenn das endlich losgeht und dann wieder vorbei sein wird. Länger hält die Spannung ja keiner aus. Unerträglich ist das. Eigentlich mag ich mir gar keine Gedanken mehr machen zum Thema. Schlafen will ich und träumen. Ein wenig herumsitzen da an dieser Donaulände, wenn es da nicht soviel von diesem Metallzeug hätte. Oder auch mal in den Winterhafen spazieren gehen. Wenn der nicht soweit weg wäre. Und dann will ich essen gehen. In eins der Restaurants. Wenn die überhaupt geöffnet haben. Und jetzt muss ich mir aber doch noch einmal Gedanken machen zum Thema. Wo doch fast alles schon gesagt ist, obwohl es noch gar nicht begonnen hat. Ob da noch etwas kommt? Wo in der Stadt doch nur so wenig machbar ist. Und alles so weit weg von allem. So weit weg, da weiß man gar nicht, wie das Publikum zu den Projekten käme, wenn man die da draußen, da auf so Plätzen machen würde, die ja so weit weg sind. Wie stellen sich die das eigentlich vor?

Und ständig wird man gefragt, was man da eigentlich macht, da in, na, wie heißt die Stadt jetzt..., Graz. Und dabei ist man doch in Linz. Schon blöd. Ein wenig peinlich auch. Wie erklärt man da den Unterschied. Kennt ja keiner. Woher denn auch. Stadt mit vier Buchstaben in Österreich halt. Und provinziell, so klein und doch alles so weit weg. Dann eben auf einen Platz sich beschränken, damit die Leute auch hinfinden, nicht wahr, aber nicht der Hauptplatz, da war ja schon alles, Ritterfest, Ars Electronica, Silvester. Da kann man ja gar nichts neues mehr machen. Dann vielleicht der - na wie heißt der jetzt - der Pfarrplatz. Der ist aber dann schon wieder sehr weit weg. Sagen mir meine Leute. Fußgängerzone, Landstrasse, ja, die nehmen wir. Das geht. Da finden dann wenigstens die Leute hin, da hat es ja auch die einzige Straßenbahn, also das kann man ja praktisch nicht verfehlen.

Und dann inhaltlich. Also, das muss schon etwas sein, das man dann in jeder anderen Stadt auch machen kann. Also, man arbeitet ja nicht ständig an etwas Neuem herum, ich meine, wo käme man da hin, mit seiner Energie, wo man ja gleichzeitig ein paar Großprojekte zu betreuen hat. Als gäbe es nur dieses eine Jahr da in der Stadt, in Linz halt. Man muss ja schauen wo man bleibt. Jetzt bauen die schon wieder. Das wird jetzt aber bitte fertig, nicht wahr, weil, sonst ist ja alles Baustelle. Und dann kennt sich ja gar keiner mehr aus. Das Schwimmbad da, das ist eigentlich gar nicht so weit weg, da kann ich ja direkt hinsehen, von meinem Büro aus. Also das nehmen wir auch noch, das liegt so nahe. Wenn es überhaupt fertig wird. Kein Wunder, dass das Geld knapp wird, wo die doch ständig bauen und alles soweit weg ist. Eine U-Bahn hätten sie mir schon bauen können da vor mein Büro, oder eine Autobahnabfahrt wenigstens. Wo die doch eh ständig bauen. Und nicht fertig werden. Fragen, Fragen, Fragen. Als wäre ich einer, den man noch etwas fragen müsste. Steht alles auf meiner Homepage. Kann sich ja jeder anschauen. Sehe ich aus wie einer, der Zeit hat für Antworten? Hat es da jetzt eigentlich mal ein Ende mit diesen Einreichungen und Bewerbungen, ich meine, dass die das aber auch alles so ernst nehmen müssen, was ich gesagt habe. Bis zum Schluss einreichen, die machen das ja wirklich. Ist ja außerdem alles viel zu weit weg. Wenn schon weit weg, dann machen wir uns das selber, damit man dann auch weiß, was man hat und ob das überhaupt allerweltsstadt-tauglich ist.

Wer weiß, kommt womöglich noch so eine Kulturhauptstadt, dann ist man gerüstet und muss sich nicht mit so stadtspezifischen Aspekten herumschlagen. Wo doch bloß die Leute aus dem Ausland kommen und sich das anschauen sollen. Und nicht wieder nur die immergleichen Linzer. Die können sich das ja zu einem anderen Zeitpunkt einmal anschauen. Muss ja doch nicht alles ich machen, oder? Muss ich euch denn hier wirklich alles beibringen, wo doch eh schon alles soweit weg ist von allem und von meinem Büro. Und dann werde ich wahrscheinlich wieder nur kritisiert.

So, jetzt geht auch noch die Sonne unter, jetzt wird’s natürlich wieder dunkel, in diesem blöden Linz, da wird es immer so früh dunkel im Winter. Zuhause ist es sicher noch hell. (Eigentlich möchte ich heim.)

Wiltrud Katherina Hackl ist Journalistin und Universitätsassistentin.