Über Kommunikationslosigkeit!

Öffentliche Wahrnehmung und Kommunikation liegen im Argen, befindet Stefan Haslinger.
erschienen in KUPFzeitung 127/08

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Kommentar

Ein paar Gedanken, veranlasst durch ein paar Ereignisse!
Über Kommunikation wird viel gesprochen. Wer mit wem welche Sachverhalte, Anliegen, in welcher Weise kommunizieren sollte. Kommunikationsverknappung im Zeitalter der elektronischen Übermittlung von Botschaften ist prädestiniert für das Sommerloch. Simple Botschaften wurden uns von KommunikationsstrategInnen auf Wahlplakaten die letzten Monate um die Augen gehaut.

Nach Watzlawick kann man nicht nicht kommunizieren. Umso interessanter ist es, dass es doch versucht wird, und dafür aber ganze Stabsstellen für Öffentlichkeitsarbeit und PR eingesetzt werden. Wovon die Rede ist? Von mehrerlei! Einmal davon, was uns bevorstand und bevorstehen wird, wenn wir das Verhältnis zwischen ProjekteinreicherInnen und Verantwortlichen im Kontext Linz 2009 betrachten. Hier existiert im Krisenfall (siehe Artikel maiz Seite 18) die Annahme, dass es leichter ist, über jemanden zu reden, als mit jemandem. Dass Schweigen eine Option wäre, ist spätestens seit Wittgenstein bekannt, allein das Handeln nach dieser Prämisse wird nur selten beherzigt. Linz 09 betreibt im Zusammenhang mit der Absage des Projektes von maiz, aber auch davor schon, eine Politik der Kommunikation, die von vornherein auf Einweg programmiert ist. Stellungnahme nennt sich das dann, und ist dazu angetan, jede weitere Konfrontation aus der öffentlichen Wahrnehmung zu verbannen. Die Stellung ist bezogen und wird verteidigt, und wer dann noch eingeladen wird zum Gespräch. muss hinter die „feindlichen“ Linien. Taktisch brillant.

Wenn – wie in diesem Falle – aber auch im Wahlkampf Kommunikation als ein aufeinander prallen lassen von Positionen missverstanden wird, ohne dass zumindest die Möglichkeit von Erwiderung und Konfrontation besteht, dann wird Watzlawick ad absurdum geführt. Interessanterweise glauben aber die KommunikationsvermeiderInnen von sich, dass sie das Gespräch suchen, interessanterweise glauben auch die KontrahentInnen der Wahlauseinandersetzungen, dass in den (euphemistisch so genannten) Konfrontationen Konfliktfelder bearbeitet und diskutiert werden. In Wahrheit funktioniert das alles nach streng choreographierten Mustern innerhalb definierter Grenzen, die zu verlassen sie sich hüten werden. Die Befürchtung ist aber da, dass diese Art der subtilen Verweigerung Schule machen könnte. Was wäre, wenn die Kulturverwaltungen z.B. Linz09 als „best practice“ verwenden, und SubventionswerberInnen über Monate hinweg im Unklaren gelassen werden, um ihnen schließlich abzusagen, oder zumindest nur einen Bruchteil zu genehmigen. Oder was wäre, wenn jede kulturpolitische Diskussion darauf hinausläuft, dass die immer gleichen Phrasen wiederholt werden, ohne dass jemals Bewegung einsetzt. Und was wäre, wenn letztgenannte Vision schon lange Realität ist, und der kulturpolitische Stillstand sakrosankt. Ist es so, wie Gunther Trübswasser im Interview (Seite 6) meint, dass die Krise fehlt, die einen Ruck durch die Politik aber auch durch die AktivistInnen gehen lassen würde. Nein, die Krise fehlt nicht. Was fehlt, ist der Mut auf politischer Ebene (Linz09 included) in Auseinandersetzung zu treten, und das Versteckspiel hinter der Öffentlichkeitsarbeitsarmada aufzugeben.

Und den AktivistInnen sei einmal mehr der Satz von Martin Wassermair ans Herz gelegt: „Es genügt nicht, mit den Füßen bloß zu stampfen. Wer nach vorne will, muss nach vorne treten und an die Konfliktlinien zurück!“